Typographie des Terrors: Plakate in München 1933–1945

Als die »Hauptstadt der Bewegung« bot München dem Nationalsozialismus von Anfang an ein ideologisches Zentrum. Plakate wurden im national-sozialistischen Regime bewusst zur Inszenierung der Diktatur eingesetzt und sollten Ideologie anschaulich und wirksam machen. Die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum zeigt über 100 Plakate aus unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Kultur und Wirtschaft, die zwischen 1933 und 1945 in München zum Anschlag kamen und meist auch dort entworfen und gedruckt worden waren.

Die Plakate erzählen viel über die historischen Zusammenhänge, in denen sie entstanden sind, über Entwicklungen und Strukturen der nationalsozialistischen Herrschaft sowie über die politisch-gesellschaftlichen Leitbilder, die sie repräsentieren sollten. Sie geben Aufschluss über die Repräsentation der nationalsozialistischen Diktatur und über die damit untrennbar verbundene Gewalt und Vernichtung. Der Frage nach den gestalterischen Mitteln, mit denen die propagandistischen Aussagen im Plakat transportiert wurden, kommt eine zentrale Bedeutung zu. Dabei spielt die Typografie als ein Spiegel ideologischer Überzeugungen eine ebenso wichtige Rolle wie die aufeinander abgestimmte Gestaltung von Schrift und Bild.

Durch eine Kontextualisierung und kritische Präsentation wird die manipulative Funktion der Plakate verdeutlicht und die Macht der Bilder relativiert und gebrochen. Über die in den Plakaten vermittelten Bilder sollten Stimmungen erzeugt und nationalsozialistische Vorstellungen im öffentlichen Bewusstsein verankert werden. Emotionen und Gewalt waren die tragenden Säulen eines Propagandakonzepts,
das dem Medium des Plakats eine wichtige Rolle beimaß.

Das gesamte visuelle Erscheinungsbild der Ausstellung (Plakat, Katalog, Flyer, Einladungen, Anzeigen etc.) und eine räumliche Inszenierung an einer Wand in
der Ausstellung wurde von der Designgruppe Koop gestaltet. Die typische NS-Formensprache wurde nach ausgiebiger Forschung von Designer und Autor Andreas Koop zum Thema »NSCI« (Corporate Identity des Dritten Reiches) durch eine Brechung des Farbcodes in Gelb/Orange/Magenta in eine kritische und zeitgenössische Visualisierung umgesetzt.

Zur Ausstellung erscheint im Kehrer Verlag der Katalog »Typographie des Terrors. Plakate in München 1933 bis 1945« mit zahlreichen Abbildungen und 336 Seiten Umfang, erhältlich an der Museumskasse und im Buchhandel für 39,90 €.

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Plakat zur Ausstellung, © designgruppe koop

München: Plakatausstellung »Typografie des Terrors«

11. Mai 2012, St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Deutschland

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Weiterführende Informationen

www.stadtmuseum-online.de