In memoriam Romulus Candea (1922–2015)

designaustria-Ehrenmitglied Romulus Candea ist tot. Der Künstler und Illustrator starb am 9. März 2015 im Alter von 93 Jahren in Ahrensburg, Deutschland. Candea war weit mehr als ein Maler und Zeichner. Er rang darum, das Unsichtbare für uns wahrnehmbar zu machen. Bis zuletzt war er ein freier Künstler im umfassenden Sinn.

Romulus Candea hat mehr als vierzig Kinder- und Jugendbücher illustriert, darunter den Klassiker »Der alte und der junge und der kleine Stanislaus« und dessen Folgebände von Autorin Vera Ferra-Mikura. Er hat Fernsehsendungen für den ORF und den WDR gemacht und in der Sparte »Internationale Kinder- und Jugendfilme« auch am Filmfestival von Monte-Carlo teilgenommen. Er hat sich in der Fotografie verwirklicht und Mosaiken und Graffiti im Auftrag der Stadt Wien geschaffen. Insofern reichte sein Wirken weit über die Malerei hinaus. Viele seiner farbintensiven Gemälde und Aquarelle hängen heute in privaten und öffentlichen Sammlungen. Einige Jahrzehnte (ab 1969) bereicherte Candea als politischer Karikaturist die »Rheinische Post« in Düsseldorf. Als aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens veröffentlichte er fast täglich seine gezeichneten Kommentare zu den politischen Ereignissen und Umwälzungen einer rastlosen Zeit. Aber auch zu gesellschaftlichen Verwerfungen und Fehlentwicklungen zeichnete er seine bisweilen bissigen Karikaturen. Mit Ironie, Sarkasmus oder gezielter Provokation wollte er der Leserschaft die Augen öffnen. Er liebte die Literatur und die Musik und begriff sie als Ergänzung und vor allem als Bereicherung seines auf Kunst basierten Lebens.

Geboren wurde Romulus Candea 1922 in der altösterreichischen Stadt Temeswar (Rumänien) als Sohn eines siebenbürgischen Chirurgen und einer Wienerin. Nach dem Abitur studierte er zunächst Zeichnen und Bildhauerei an der Scola de arte decorative in seiner Heimatstadt und dann Malerei bei Professor Karl Sterrer an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Nach seinem Abschluss ging er an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt weiteren Studien nach und belegte an der Universität Wien Vorlesungen in Kunstgeschichte.

Wiederholt geehrt wurde Candea, der in der Folge viele Jahre am geliebten Niederrhein verbrachte, mit dem Illustrationspreis der Stadt Wien. Er erhielt den Förderungspreis des Wiener Kunstfonds und den Karl-Renner-Preis der Stadt Wien und war zudem Träger des Staatspreises der Republik Österreich und des Bundesverdienstkreuzes. Die Republik Österreich verlieh ihm den Professorentitel. Als besondere Ehre empfand er den nach ihm benannten und mit 3.000 Euro dotierten Romulus-Candea-Preis, den designaustria seit 2003 im Zweijahresrhythmus für ein vollständig illustriertes und noch nicht veröffentlichtes Kinderbuch vergibt. In diesem Jahr wird der Preis zum siebten Mal ausgeschrieben.
Einreichungen sind noch bis 30. Juni 2015 möglich.

Wie sagte der Künstler einmal in einem persönlichen Gespräch mit Blick auf seine über alles geliebte Malerei: »Für mich steckt in jedem Bild ein Hauch von Geheimnis. Meine Bilder öffnen sich nicht sofort, aber überall gibt es Kerne, die zur Emanation führen.« (Godehard Uhlemann)

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Credit: Galerie Schageshof