in memoriam: Rudolf Thron (1919–2017)

Zahllose Plattencovers, eine stattliche Reihe von Logos, Plakate, Anzeigen, Etiketten, Illustrationen, ja selbst Messestände hat Rudolf Thron, der sich nahezu allen Bereichen des Grafikdesigns gewidmet hat, gestaltet. Im Juli 2017 ist der vielseitige Gebrauchsgrafiker, Künstler und Museumsbegründer nach einem langen Berufsleben und einem erfüllten Ruhestand im 99. Lebensjahr verstorben.

Thron wurde 1919 im niederösterreichischen Ort Kalte Kuchl, heute zu Rohr im Gebirge gehörend, geboren. Der gelernte Lebensmittelverkäufer, der am liebsten Bildhauer geworden wäre, begann sich nach der Heimkehr von der Kriegsgefangenschaft in Südfrankreich 1945 zunächst autodidaktisch zum Grafiker auszubilden; es folgten Kurse an der »Graphischen« und der Künstlerischen Volkshochschule in Wien unter Hans Fabigan. 1949 schuf er die ersten Arbeiten auf selbstständiger Basis. Seinem Beruf als freischaffender Grafikdesigner ging er bis zu seiner Pensionierung 1980 nach. Der prominenteste Kunde von Rudolf Thron war der burgenländische Mineralwasserproduzent Römerquelle. Das von ihm 1957 entwickelte Signet des Römerkopfes durchlief zwar mehrere Re-Designs, wird aber – in modernisierter Form – immer noch verwendet. Ende der 1960er-Jahre öffnete sich Thron die Gestaltung von Schallplattencovers als neues Betätigungsfeld: Für verschiedene Labels entwarf er weit über 1000 Plattenhüllen. Trotz einer Augenoperation, der sich der Grafiker 1973 unterzog, verschlechterte sich seine Sehkraft über die Jahre faktisch bis zur Erblindung. Im Ruhestand engagierte sich Thron in seiner niederösterreichischen Heimat als Volksbildner; 1988 eröffnete das von ihm initiierte und betreute Freilichtmuseum »Historische Volkskunde Kalte Kuchl«, das weitgehend mit Eigenmitteln realisiert worden war. 1986 wurde Thron für seine vielfältigen Leistungen mit dem Berufstitel Professor ausgezeichnet, 2003 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Rudolf Thron ist der zweite Band der von designaustria herausgegebenen Reihe »|design|er|leben|«, verfasst von Andreas Koop, gewidmet.