In memoriam: Kurt Weidemann (1922 – 2011)

Für zahlreiche große Konzerne hat er die Firmenlogos entworfen. Die typografische Community trauert um ein einflussreiches Original und den Schöpfer so prägnanter Logos wie derer für die Deutsche Bahn AG, den Porsche-Schriftzug oder die berühmte Form des »Mercedes«-Sterns für Daimler-Benz.

Ein Markenzeichen war der Stuttgarter Grafikdesigner Kurt Weidemann, einer der international führenden Köpfe seines Fachs, aber auch selber. Unverwechselbar seine hagere Erscheinung unter dem schwarzen Schlapphut, den er ungefähr so oft absetzte wie seinerzeit Joseph Beuys den Filzhut – sprich: so gut wie nie –, unübersehbar die knallroten Schuhe und das Lorgnon um den Hals, unwiderstehlich sein scharfzüngiger Humor und seine Selbstironie.

Wenn es einen Typografen-Büchmann gäbe, würde gewiss Weidemanns geflügeltes Wort darin Eingang finden, dass ein Zeichen immer dann gut sei, »wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann«. Dies als Erwiderung auf einen Vorsitzenden der Bankgesellschaft Berlin, der das von dem Designer für das Unternehmen entworfene Logo aus drei gekreuzten Balken einfallslos fand.

Schonung hat sich Kurt Weidemann in seinem langen, rastlos tätigen Leben selten angedeihen lassen. »Mein Körper hat mir zu gehorchen, und das tut er, weil er nichts zu sagen hat«, sagte er in einem Interview. Da war er 87. Nun hat sein Körper doch den Gehorsam verweigert. Weidemann ist am Mittwoch, 30. März 2011, mit fast 90 im elsässischen Sélestat gestorben.

Quelle: www.stuttgarter-zeitung.de



Kurt Weidemann, Foto: © Rudel