Schöne Seiten – jüdische Schriftkultur

Der Schweizer Sammler René Braginsky hat die wohl bemerkenswerteste Privatsammlung illustrierter hebräischer Manuskripte der Welt zusammengetragen. Die Sammlung umfasst mittelalterliche Schriftstücke, kunstvoll gefertigte Eheverträge und reich illustrierte Schriftrollen des Buches Esther vom 13. bis ins 20. Jahrhundert.

Nach Amsterdam, New York und Jerusalem ist die Braginsky Collection nur noch bis 11. März 2012 im Nationalmuseum Zürich ausgestellt.

Zur Ausstellung ist ein bibliophiles Opus magnum als Katalog erschienen, zu dem Gregor Auenhammer in DER STANDARD, Printausgabe, 3./4. 3. 2012 schreibt:

»Dieses bibliophile Oeuvre präsentiert, erstmals kommentiert in deutscher Sprache, kunstvolle, von Hand gemalte mittelalterliche und spätere Handschriften, dekorierte Eheverträge und reich illustrierte Schriftrollen des Buches Esther, vom 13. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die Werke wurden für die Publikation sorgfältig reproduziert und werden einzeln, in ihrer Geschichte, ihrer Herkunft, ihrer Verortung und Bedeutung detailliert vorgestellt. Ein faszinierendes Panorama jüdischer Schriftkultur und jüdischen Lebens aus acht Jahrhunderten, aus sämtlichen Teilen des europäischen Kontinents stammend.

Emile Schrijver, Kurator der Bibliotheca Rosenthaliana, der jüdischen Sondersammlung der Universiteit van Amsterdam, und Falk Wiesemann, Professor am Historischen Seminar der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, trafen die Einteilung in drei Hauptgruppen hebräischer Schriftdokumente: in Bücher, Ketubbot (Heiratsverträge) und Megillot (illustrierte Estherrollen).

Die Monografie enthält hunderte Faksimiles: Gebetsbücher nach italienischen, sefardischen Riten, Kodizes, Schriften der Diaspora, Pinkas (Protokollbücher) der Synagogengemeinden, eine enorme Zahl an Ketubbot (private, illustrierte Heiratsverträge) und last, but not least eine enorme, an Quantität und Qualität seinesgleichen suchende Vielfalt an Estherrollen. Eindrucksvoll sind hier die eleganten, oft vergoldeten, geschmiedeten Hülsen der Megillot (siehe Abbildung).

Sowohl die präzisen Reproduktionen der Exponate als auch die einordnenden, die Objekte erklärenden Texte dekuvrieren Aspekte europäischer Kunstgeschichte wie auch den mit anderen Religionsgemeinschaften kanonisierten Wertekatalog des Abendlandes.«

Emile Schrijver und Falk Wiesemann (Hg.)
»Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection«
€ 54,– / 336 Seiten, über 200 Abbildungen, in Farbe.
Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2012.
Erhältlich im Buchhandel: ISBN 978-3-85881-332-9

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Ioannina-Megilla aus Venedig mit vier Pergamenten
Foto: scheidegger & spiess
(aus Der Standard)

Tägliches Gebetbuch mit kabbalistischen Kommentaren,
um 1680, Tschechien.
© Braginsky Collection, Zürich.
Foto: Ardon Bar-Hama.