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Schriften österreichischer DesignerInnen Typografie Typographie

Paulus Dreibholz: Nilo-Enrico / Christoffel


Ulrike Willinger, Severin Filek
8 Seiten
2010
5,50  für Mitglieder

Nilo-Enrico lässt Einflüsse aus dem Wiener Jugendstil und Elementen der mono-spaced Schriftschnitte erkennen. Starke Serifen und florale Rundungen an einigen Versalien und Zahlen trugen letztendlich zu einem freundlichen, dekorativen Schriftbild bei, ohne den »Courierstil« zu verlieren. Nilo-Enrico zeichnet sich durch eine hohe Mittellänge und offene Punzen aus, was sie sehr lesefreundlich macht. Sie nimmt gelegentliche Unregelmäßigkeiten nicht nur in Kauf, sondern belebt sich hierdurch in ihrem Auftreten. Zahlen sind als Medieval-Ziffern angelegt und integrieren sich deshalb angenehm ins helle Schriftbild. Der fette Schnitt weist gelegentlich abweichende Charakteristika auf, versucht der leichten Variante jedoch treu zu bleiben. Die ansonsten klassisch gestalteten Seiten des Jahrbuchs entwickelten durch Nilo-Enrico ihre persönliche, extravagante Note ohne den Leser durch experimentelle Design-Spielereien zu beeindrucken.

Wie Nilo-Enrico so entstand auch Christoffel im Rahmen eines weiter ausholenden Projekts. Während der Gestaltung und in Hinblick auf die danach folgende umfassende Publikation wurde die Idee geboren, eine die Plantin – welche für die Identität verwendet wurde – komplimentierende, nüchterne Serifenlose zu gestalten. Basierend auf dem Skelett und des von der Plantin erzeugten Grauwerts entwickelte sich Christoffel zu einer angenehm leserlichen humanistischen Linearantiqua. Verschiedene kalligrafische Details aus der Plantin wurden übernommen, andere jedoch an die Natur einer Serifenlosen angepasst. Unüblich ist die für eine Linearantiqua kompakt gehaltene Mittellänge. Christoffel eignet sich hervorragend zur Kommunikation sachlicher Inhalte sowie für Bildlegenden und Überschriften. Eine fette und eine kursive Variante sind in Arbeit.

Typograf und Grafik-Designer Paulus M. Dreibholz wurde 1977 in Graz geboren. Für seine Ausbildung zog er nach London, wo er nach Abschluss eines Bachelorstudiums am London College of Printing und eines Masterstudiums am Central Saint Martins College of Art and Design (CSM) sein eigenes Studio gründete. Dreibholz arbeitet im Bereich Kommunikationsdesign, spezialisierte sich allerdings schon früh auf typografische Projekte. Seit der Gründung produziert sein Studio Gaffa Ltd Publikationen, Erscheinungsbilder und weitere grafische Produkte hauptsächlich für Kunden aus dem Bereich Architektur und Kunst. Dreibholz’ Arbeiten wurden in verschiedenen Ausstellungen und Publikationen veröffentlicht und 2004 mit einem Typographic Premier Award der International Society of Typographic Design (ISTD) ausgezeichnet sowie 2005 mit einer Nominierung für den Creative Futures Award.